Am 3.5. nach München! Make Feminism a Threat!
Auch in diesem Jahr soll das Großevent der Anti-Choice Bewegung wieder stattfinden: der sogenannte „Marsch fürs Leben“ in München. Abtreibungsgegner:innen, christliche Fundamentalist:innen, Burschenschaftler und andere Sexist:innen – von rechtsaußen bis ins Milieu der selbsternannten „bürgerlichen Mitte“ – reisen Anfang Mai aus ganz Deutschland und dem Ausland an. Mit bunten Luftballons, kleinen Plastik-Embryos und penetranter Schlagermusik planen sie, familienfreundlich inszeniert durch die Stadt zu spazieren, sich zu vernetzen und auszutauschen und dabei ihr misogynes und queerfeindliches Weltbild zu propagieren.
Der Anti-Choice Bewegung geht es um weit mehr als das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Religiös begründeter Antifeminismus ist primärer Bestandteil ihrer Ideologie und eine Umkehrung feministischer Errungenschaften ihr erklärtes Ziel. Sie propagiert ein christlich-fundamentalistisches und patriarchales Weltbild, das auf überkommenen Geschlechterbildern aufbaut und die Rolle von Frauen in erster Linie in ihrer Gebärfähigkeit sieht. Und nicht nur reproduktive Selbstbestimmung ist das Angriffsziel der Fundis, sondern auch jede Form von Queerness und sexueller Autonomie. Geschlechtsbinarität und Heterosexualität sollen mit aller Gewalt durchgesetzt werden, im Zweifelsfall in brutalen „Konversions-Therapien“ auch gegen die eigenen Kinder. Alles, was nicht in das Wahnbild der Hetero-Kleinfamilie passt, soll ausgemerzt werden. Das ist ein Angriff darauf, wie wir sind, wen wir lieben und wie wir leben wollen. Die Ideologie der Anti-Choice Bewegung steht im Gegensatz zu jeglichen Ideen von Emanzipation, Selbstbestimmung und einem guten Leben für alle.
In den vergangenen Jahren sind zentrale Akteure des „Marsch fürs Leben“ zudem immer wieder mit der Verbreitung von antisemitischen Narrativen aufgefallen. Im Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen wird sich beispielsweise regelmäßig der Verschwörungserzählung des „großen Austauschs“ bedient. Auch wird von einem sogenannten „Babycaust“ schwadroniert und mit antisemitischen Chiffren wie der einer „Abtreibungs- und Euthanasielobby“ hantiert.
Die Anti-Choice Bewegung und ihre Ideologie des christlichen Fundamentalismus dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr muss die Bewegung als Schulterschluss mit der extremen Rechten wahrgenommen werden. Konservative, christlich-fundamentalistische, faschistische und verschwörungsideologische Gruppen eint das gemeinsame Ziel, patriarchale Privilegien und die darauf gebaute Gesellschaftsordnung zu bewahren. Antifeminismus spielt bei weitem nicht nur rechts außen eine essentielle Rolle, sondern erfüllt eine wichtige Scharnierfunktion in bürgerliche Spektren. So stellten Studien jüngst fest, dass bereits ein Viertel der Deutschen ein geschlossen-antifeministisches Weltbild haben. Der Widerstand gegen feministische Kämpfe schafft, was keiner anderen Ideologie in gleicher Weise gelingt: Er hält als Bindeglied das Dreieck christlich — bürgerlich — rechtsaußen zusammen und bringt die jeweiligen Spektren gemeinsam auf die Straße. Über diesen Hebel ist der Neue Faschismus schon jetzt in Deutschland erfolgreich. Zudem wurden die halbherzigen Versuche der Ampel, Schwangerschaftsabbrüche zu dekrimialisieren und §218 abzuschaffen, von der CDU spielend blockiert. Friedrich Merz bezeichnete die Idee der Abschaffung des Paragraphen §218 gar als „skandalös“ und wird somit ein Kanzler, wie ihn sich die Fundis kaum besser wünschen könnten. Der misogyne, queerfeindliche und antifeministische Rollback ist längst da.
Ob organisierte Faschisten, Vertreter der CDU/CSU oder katholische Jugendgruppen – sie alle wollen sich am 03.05. in München versammeln, um einmal mehr Sexismus, Queerfeindlichkeit und Antifeminismus offen zur Schau zu tragen. München gilt schon länger als Hotspot der religiösen Rechten in Deutschland. Während dort vor vier Jahren noch 800 Abtreibungsgegner:innen auf den Straßen waren, rechnen die Organisator:innen des Marsches dieses Jahr schon mit 6000 bis 8000 Teilnehmenden.
In Zeiten von Rechtsruck sowie frauen- und queerfeindlicher Großmobilisierung muss Feminismus unsere Waffe sein! Kämpfen wir gemeinsam für eine Welt, die von Solidarität statt Konkurrenz lebt und in der wir selbst über uns und unsere Körper bestimmen, jenseits von Kapital und Patriarchat! Kämpfen wir für eine Welt, in der unsere Bedürfnisse und unsere Emanzipation im Vordergrund stehen und nicht Profit und kapitalistische Verwertungslogik den Takt angeben! Kämpfen wir für sexuelle Selbstbestimmung, einen sicheren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen und für ein Ende patriarchaler Zurichtung und Gewalt!
Wir lassen uns die Fundi-Scheiße nicht bieten! Packt eure Friends ein, kommt mit uns am 3. Mai nach München und lasst uns gemeinsam den Fundis den Tag versauen. Gegen jeden Fundamentalismus – für das Paradies auf Erden!
Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat — Make feminism a threat!
Infos zum „Marsch fürs Leben“ und den Protesten: Pro Choice München
Die feministische Demo startet um 11:30 Uhr am Odeonsplatz
Weitere Informationen folgen.